Red Fort Delhi

Ankunft in Indien

Szenenwechsel - Von Kenia ging es über Dubai weiter nach Indien. Indien, ein Land, welches in unserer Gesellschaft nicht nur positiv konnotiert ist. Ein Land, über welches man sagt, es sei laut, voll und dreckig. Aber welchen ersten Eindruck hatten wir von Indien?

Ankunft in Delhi

Ziemlich übermüdet und mit einem Kratzen im Hals von den vielen Klimaanlagen starteten wir in Dubai unsere Weiterreise nach Indien. Der dreistündige Flug verlief planmässig und auch unser Gepäck fand den Weg nach Delhi. Nach der Immigration gingen wir zur Metrostation, von wo aus wir die U-Bahn ins Stadtzentrum nehmen wollten. Wir waren überrascht, wie gut alles ausgeschildert war, sodass wir die Metrostation auf Anhieb fanden. Etwas unsicher, ob uns der Mann am Schalter nicht doch zu viel für die Fahrkarte berechnet hatte, gingen wir dann auf die Suche nach der richtigen Metrolinie. Um ehrlich zu sein, begleiteten uns in diesem Moment sehr viele Vorurteile gegenüber der indischen Bevölkerung. Wir haben im Vorfeld einiges darüber gelesen, wie oft und mit welchen Maschen Touristen abgezockt werden. Doch bereits in diesen ersten Minuten im Land durften wir eine schöne Erfahrung machen. Eine junge Frau am Flughafen erkannte unsere Orientierungslosigkeit und ohne zu zögern und ganz selbstverständlich half sie uns, die richtige Metrolinie zu finden. Sie versorgte uns mit der Information, wo wir umsteigen sollten und wie viel das Ticket für die Weiterfahrt kostet. Uns gab diese erste Begegnung mit dieser hilfsbereiten Inderin ein tolles, positives Gefühl und unsere Vorurteile wurden wohl bereits in diesem Moment ein gutes Stück kleiner.  Mit der Metro und am Ende mit einem Tuktuk, welches uns auch wieder ein Inder half zu organisieren, fanden wir den Weg in unser Hostel. Der Moment dieser Ankunft zählt wohl nicht unbedingt zu den Glanzstunden unserer Reise. Wir bezogen unseren ersten Dorm-Room. Sofort wurden wir mit Platzmangel, denn der Dorm-Room war wirklich sehr klein und auch mit mangelnder Sauberkeit konfrontiert. Diese Tatsachen kombiniert mit unserer totalen Übermüdung führte dazu, dass vor allem Nathalie ziemlich unzufrieden war und die Entscheidung, nach Indien zu reisen, bereits das erste Mal hinterfragte. 

Aber zum Glück sieht der nächste Morgen oft schon viel besser aus. In den nächsten drei Tagen ruhten wir uns von unserer intensiven Zeit in Dubai aus und erkundeten New-Delhi und Old-Delhi. Im Hostel, welches wir am Ende, trotz des kleinen Raums und der dreckigen Toiletten, ziemlich mochten, machten wir viele gute Bekanntschaften. Wir merkten in diesen Tagen, wie hilfsbereit, offen und aufmerksam die Locals sein können. Manchmal wurde uns in der vollen Metro ein Sitzplatz angeboten, standen wir orientierungslos herum, wurde uns zu Hilfe geeilt und die vielen indischen Traveler im Hostel gaben uns wertvolle Tipps über Sehenswürdigkeiten, das Essen und Tricks, wie Touristen abgezockt werden. Rasch realisierten wir, dass so ziemlich jede indische Speise scharf, aber auch köstlich ist. Da wir das Essen in Kenia nicht übermässig lecker fanden, freuten wir uns in den ersten Tagen besonders über das indische Essen. Vor allem Nathalie ging davon aus, dass Delhi sie in erster Linie überfordern wird. Es stellte sich aber heraus, dass die afrikanischen Grossstädte Kampala, Nairobi und Mombasa bereits ein gutes Training für uns waren. Vor allem Neu-Delhi wirkte auf uns gar nicht so überfüllt und laut wie erwartet. Old-Delhi erlebten wir ein gutes Stück ursprünglicher und weniger modern. Die Strassen sind überfüllt mit Fussgängern, Töff-, Roller-, Rikscha- und Tuktukfahrern, Pferdekutschen und nicht zu vergessen mit Strassenhunden und Kühen. Es ist ein buntes und geschäftiges Treiben auf den Strassen. Es wird gekauft, verkauft, gegessen und getrunken. Immer wieder mussten wir auf dem Gehsteig auf die Seite hüpfen, weil irgendein Töfffahrer dem stockenden Verkehr auf den Strassen ausweichen wollte. Von den Motoren und vor allem vom Gehupe aller Verkehrsteilnehmer war es ziemlich laut und wir verstanden in Old-Delhi das erste Mal, was mit “lautes Indien” gemeint ist. Dennoch konnten wir diese ersten Eindrücke sehr geniessen und wir reisten mit einem positiven Gefühl weiter nach Amritsar.

Amritsar

Was wir auch in den ersten Wochen in Indien lernen durften, ist, dass es ein riesiges Land ist. Die Reise von einem zum anderen schönen Ort ist meist mit einer mehrstündigen Bus- oder Zugfahrt verbunden, die oft nachts stattfindet. Von Delhi nach Amritsar reisten wir mit einem Sleeper-Bus. In diesen Bussen kann man relativ gut schlafen, da sie statt Sitzen Liegen haben, die meist mit Vorhängen oder einer kleinen Schiebewand vom Gang abgetrennt sind. Unsere erste Reise war vor allem für Lukas anstrengend, da er krank war. So hiess es die ersten zwei Tage in Amritsar für ihn Bettruhe und gesund werden. Als es ihm dann wieder besser ging, machten wir einen Tagesausflug nach Wagah, einem Ort an der pakistanischen Grenze. Jeden Abend gibt es dort eine Zeremonie, wo feierlich die Grenzen zwischen den beiden Ländern geschlossen werden. Die Zeremonie wird von tausenden Zuschauern beider Länder auf einer Tribüne verfolgt und es wird Nationalstolz schlechthin ausgeübt. Für uns eine sehr spezielle Erfahrung, die wir bis heute weder positiv noch negativ einordnen können.

An unserem letzten Tag in Amritsar erkundeten wir dann doch noch etwas die Stadt. Wir bummelten durch Old-Amritsar, besuchten zwei Hindu-Tempel und den berühmten Goldenen Tempel der Sikh-Religion. Dieser Tempel war sehr beeindruckend. Er liegt inmitten eines heiligen Pools. Das Wasser gilt als reinigend und heilend, weshalb viele Gläubige darin baden oder in einer Flasche etwas vom Wasser mit nach Hause nehmen. Der Tempel bietet allen eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit und Verpflegung. Es werden rund 100’000 Mahlzeiten pro Tag an die Besucher des Tempels kostenlos verteilt. Im Gegenzug darf, wenn es die finanziellen Mittel zulassen, gespendet werden. Es ist auch willkommen, wenn man beim Abwasch oder bei den Rüstarbeiten mithilft. So beobachteten wir unzählige helfende Hände. In kleinen Gruppen sassen Locals am Boden vor der Essenshalle und rüsteten und schnitten Gemüse, während sie in Gespräche vertieft waren. Auch wir genossen ein Essen in diesem Tempel. In Reihen sitzen die Menschen nebeneinander am Boden, der Teller vor ihnen platziert und für einen Moment spielt Reichtum keine Rolle. Egal, ob Bettler oder Millionär, alle sitzen im selben Raum, auf demselben Boden und erhalten dasselbe Essen. Das Essen war köstlich und aus grossen Töpfen wird so viel nachgeschöpft bis auch wirklich alle satt sind.

Wir sind, wie du hier lesen kannst, gut in das Land Indien gestartet. Uns gefällt die Offenheit der Menschen in diesem Land. Nicht selten werden wir angesprochen und die Locals bitten um ein Foto mit uns. Wir treffen endlich wieder andere Traveler, was in Afrika nur selten der Fall war. Und, was wir besonders schätzen, in den Hostels treffen wir auch sehr viele indische Leute, die reisen. So ist der Austausch mit Locals noch einfacher möglich.