
Jaipur und Ranthambore Nationalpark
Nachdem wir vier Bundesstaaten im Eiltempo erkundet hatten, entschieden wir uns, für den Bundesstaat Rajasthan etwas mehr Zeit einzuplanen. Als Erstes erkundeten wir die Hauptstadt von Rajasthan und danach ging es endlich wieder zurück in die Natur.
Jaipur
Fast alle Locals, die wir trafen, schwärmten vom Bundesstaat Rajasthan. In unserem Reiseführer wurde er als das sagenhafte Reich der Maharadschas und Könige beschrieben. Seine prächtige Architektur kann in unzähligen Forts und Palästen bestaunt werden. Rajasthan hat aber auch einige schöne Dinge in der Natur zu bieten, so kann man sich zum Beispiel auf die Suche nach dem Tiger machen. Gespannt reisten wir also von Agra mit dem Zug in die Hauptstadt Rajasthans, nach Jaipur. Da wir uns für einmal gar nicht gross einlesen wollten, entschieden wir uns für zwei Tage einen Tuktuk-Driver zu mieten. Dieser fuhr mit uns zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wir lösten ein Kombiticket, sodass wir viele Sehenswürdigkeiten zu einem reduzierten Preis von innen bestaunen konnten. Die Häuser in der Altstadt sind alle in einem rötlich-braunen Farbton gehalten. Aus diesem Grund wird Jaipur auch als Pink City bezeichnet. An unserem ersten Tag besuchten wir das Museum in der Albert Hall. Danach bestaunten wir das Wahrzeichen Jaipurs, die Hawa Mahal. Das fünfstöckige Gebäude in rosa Sandstein erinnert richtiggehend an ein Märchenschloss. Es ist mit vielen Fenstern und Balkonen ausgeschmückt. Das Schloss der Winde, wie die Hawa Mahal auch genannt wird, wurde von einem Maharadscha erbaut, damit die Damen aus seinem Hof ungesehen das Geschehen auf den Strassen beobachten konnten. Wir besuchten auch das Jantar Mantar, eine grosse Sternwarte. Hier wurden Instrumente gebaut, um die Zeit zu messen, die Planetenlaufbahn zu beobachten und vieles mehr. Die Sonnenuhr ist mit ihren 27 Metern Höhe sehr beeindruckend. Zudem kann sie die Zeit bis auf 2 Sekunden genau anzeigen.
Jaipur ist bekannt für den Blockdruck. Wir besuchten eine Fabrik, welche Stoffe mit Mustern aufwendig bedruckt. Natürlich endete dieser Besuch im Verkaufsladen, wo wir uns aber ohne etwas zu kaufen, herausreden konnten. Was uns am ersten Tag besonders gefallen hatte, war der Besuch der Königsgräber. Die Anlage ist viel ruhiger und nicht so überfüllt mit Touristen, wie es die anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt waren.
Am zweiten Sightseeing-Tag besuchten wir das riesige Amber Fort. Auf dem Weg dorthin machten wir bei einem für Rajasthan typischen Stufenbrunnen Halt. Die Brunnen wurden früher gebaut, um Regenwasser zu speichern. Viele Treppen führen hinunter zum Wasser und da es in den Brunnen rund 5 bis 6 °C kühler ist als an der Erdoberfläche, wurden sie früher im Sommer oft als Versammlungsort genutzt. Das Erkunden vom Amber Fort und vom benachbarten Jaigarh Fort nahm viel Zeit in Anspruch. Wir genossen vor allem die Besichtigung des weniger berühmten Jaigarh Forts, welches über dem Amber Fort liegt. Nicht jeder macht sich auf den Weg dorthin, sodass es weniger voll ist mit Touristen. Zudem geniesst man einen wunderschönen Blick auf das Amber Fort und wird sich seiner Grösse so richtig bewusst. Zum Abschluss ging es ins Tigre Fort, wo wir den Sonnenuntergang geniessen konnten und unseren Aufenthalt in Jaipur ausklingen liessen.
Ranthambore Nationalpark
Nachdem wir lange Zeit ausschliesslich in Städten unterwegs waren, wurde es für uns höchste Zeit für einen Abstecher in die Natur. Aus diesem Grund gönnten wir uns einen dreitägigen Aufenthalt im Ranthambore Nationalpark. Auch wenn es nachts ziemlich kalt wurde, entschieden wir uns endlich wieder einmal in einem Zelt zu schlafen. Die Zelte, welche man hier mietet, waren allerdings sehr gross und wie normale Zimmer eingerichtet. So war es ein grosses Upgrade zu unseren Zeltübernachtungen in Afrika. Natürlich gab es auch im Nationalpark ein Fort. Dieses schauten wir uns am Tag unserer Ankunft an. Da das Fort im Nationalpark liegt, kann man nicht nur ein altes Gebäude bestaunen und die Aussicht geniessen, sondern sich auch über die vielen Affen, Vögel und andere Wildtiere erfreuen. Am nächsten Tag machten wir zwei Gamedrives. Man hat im Nationalpark zwei Arten von Fahrzeugen zur Auswahl. Zum einen gibt es einen Jeep. Im sogenannten Gypsy finden bis zu 6 Personen Platz. Zum anderen gibt es die grossen Canter, die an einen Bus ohne Dach erinnern. Der Canter nimmt viel mehr Touristen mit und die Fahrt durch den Park ist viel weniger individuell, da der einzelne Tourist kein Mitspracherecht hat, wie lange man bei welchem Tier stehen bleibt. Wir entschieden uns für zwei Gamedrives im Gypsy, da wir im Reiseführer lasen, dass dies die bessere Wahl sei. Als wir vor Ort waren, merkten wir, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Der Park ist nämlich, anders als in Afrika, in verschiedene Zonen unterteilt. Frühbucher werden im Ranthambore Nationalpark einer besseren Zone zugeteilt als Spontanreisende, wie wir es sind. Wir erwischten darum zweimal eine nicht so gute Zone. So konnten wir zwar eine wunderbare Weitsicht geniessen, erlebten abenteuerlich wie steile Schotterpisten ein 4x4 Jeep hinauf und herunterfahren kann und sahen sogar einige Hirsche und Rehe. Besonders toll war es, dass sich uns ein nachtaktiver Lippenbär und zwei nachtaktive Hyänen zeigten. Vom Tiger sahen wir jeweils Fussspuren, die Grosskatzen selbst fanden wir allerdings nicht.
Am zweiten Tag machten wir eine Bootsfahrt auf dem Chambal River, wo wir Krokodile und Alligatoren beobachten konnten. Alligatoren lassen sich leicht von Krokodilen unterscheiden. Die bis zu 5 Meter langen Tiere haben ein viel dünneres Maul als Krokodile. Zudem sind sie viel scheuer, sodass sie immer im Wasser verschwanden, sobald sie uns entdeckt hatten. Die Fahrt zum Chambal River und zurück zum Camp genossen wir ebenfalls. Wir erhielten einen Einblick ins Dorfleben Indiens und erkannten einige Parallelen zu Uganda und Kenia. Bei der Hinfahrt wurden wir von einer grossen Kuhherde aufgehalten. Die heiligen Tiere gehören oftmals niemandem und leben in den Dörfern und Städten frei. In den Dörfern beschädigen sie den Bauern allerdings oft die Felder. Für dieses Problem fanden die Dorfbewohner eine ziemlich interessante Lösung. Gemeinsam treiben sie alle Kühe zusammen, um sie dann auf der Strasse ins Nachbardorf hinüber zu jagen. Ob das eine wirklich gute und nachhaltige Lösung ist, sei dahingestellt. Wir fanden sie jedenfalls ziemlich amüsant.
Der Camp-Manager wollte es am Ende doch nicht auf sich sitzen lassen, dass wir keinen Tiger gesehen haben. Deswegen buchte er für unseren Abreisetag eine Morgensafari im Canter. Wir sassen also an diesem Morgen zwar mit vielen anderen Touristen im grossen, offenen Bus, dafür konnten wir unseren Gamedrive in einer besseren Zone machen. Wir sahen wahnsinnig viele Rehe, Hirsche und Antilopen. Und dann, nach etwa einer Stunde, zeigte er sich uns endlich. Der majestätische Tiger, ein wirklich wunderschönes Tier.
Wir genossen die Tage in der Natur sehr. Nach drei Tagen ging es aber weiter in die nächste Stadt Rajasthans. Wo es hinging und was wir weiter in Indien erlebten, erzählen wir dir im nächsten Blogpost.