Palast in Udaipur

Bundi und Udaipur

Nach dem Ranthambore Nationalpark ging unsere Tour durch Rajasthan noch etwas weiter. Der Weg führte uns durch zwei sehr unterschiedliche Städte. Wir erkundeten zuerst das eher kleine und ruhige Bundi, bevor es dann weiter ging in die sehr touristische Stadt Udaipur.

Bundi

Bundi ist eine kleine Stadt, welche im Gegensatz zu den bisher gesehenen Städten Indiens richtiggehend verschlafen wirkt. Schnell kannte man uns auf der Strasse und wir wurden schon am Tag nach unserer Ankunft an fast jeder Hausecke gegrüsst. Alle paar Meter wollte jemand mit uns ein Gespräch anfangen, welches natürlich nicht selten auch mit dem Versuch endete, uns etwas zu verkaufen oder zumindest sein Restaurant zu zeigen. Wir übten uns also in Bundi wieder einmal im “nein-danke-sagen”. Ansonsten erlebten wir die Stadt als wunderschön und hätten wir nicht bereits unseren Aufenthalt in der nächsten Stadt gebucht, wären wir wohl länger geblieben. Wir genossen es, dass hier alles etwas ruhiger zu und hergeht. Zudem ist die Stadt nicht voller Touristen, sodass wir das lokale Leben besser beobachten und spüren konnten. Da wir von Jaipur und dem Ranthambore Nationalpark ziemlich müde und gesättigt waren, unternahmen wir in Bundi gar nicht so viele Dinge. An einem Tag besuchten wir den Palast und das Fort von Bundi. Uns gefielen diese Bauten sehr. Im Palast fand man viele alte, eindrückliche Gemälde und vom Fort hatte man einen schönen Blick über die Stadt und auf einen See. Der Palast und das Fort war nicht so überfüllt mit Menschen, wie wir es aus Jaipur kannten. Ein weiteres Highlight in Bundi war ein Besuch im Haus unseres Hotelmanagers. Michael wohnt nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt. Er zeigte uns sein Mehrgenerationenhaus, welches bereits seit vielen Jahren in ihrem Familienbesitz ist. Wir lernten seine Mutter, seine Schwester, seine Schwägerin und seinen Neffen kennen. Zudem sahen wir, wie indische Familien leben und wie ihre Häuser eingerichtet sind. Vom Dach aus genossen wir einen wunderschönen Blick über die Stadt, bestaunten das Fort, das vom Sonnenuntergang schön beleuchtet wurde und schauten den vielen Drachen am Himmel zu. Dazu gab es einen leckeren Chai. Hier in Indien wird sehr viel Chai, also Tee, getrunken. Viele Menschen in Indien trinken keinen Alkohol. Wir folgten in der Zeit in Indien ihrem Beispiel und da es so viele gute Alternativen gibt, vermissten wir ihn nie. Zudem ernähren sich rund 80% der indischen Bevölkerung vegetarisch. Aus diesem Grund sind die indischen Speisekarten voll mit leckeren, vegetarischen Gerichten.  

Ein kleiner Einblick ins Leben eines Travelers

Die Reise nach Udaipur machten wir wieder mit dem Zug. Wir wurden von einem Tuktuk-Fahrer Morgens um 9 Uhr zum Bahnhof in Bundi gebracht. Dieser befindet sich ziemlich ausserhalb der Stadt. Der Bahnhof und seine gesamte Umgebung war menschenleer und erinnerte eher an einen “Geisterbahnhof”. Wir dachten im ersten Moment, dass wir am falschen Ort gelandet seien. Da vor 9 Uhr noch keine Restaurants für ein Frühstück offen hatte, hatten wir noch nicht gefrühstückt. Aus unserer Sicht war dies kein Problem, da man in Indien am Bahnhof sowieso immer etwas zum Essen kaufen kann. Mit diesem Gedanken haben wir uns aber ganz schön geirrt. Das erste Mal in Indien waren wir an einem Ort, an dem es absolut nichts Essbares zu kaufen gab. Nicht weiter schlimm, dachten wir, da das letzte Mal im Zug Chai und diverse Snacks angeboten wurden. Einige Minuten später realisierten wir aber, dass unser Zug Verspätung hatte, und zwar nicht nur einige Minuten, wie wir uns das von der Schweiz gewöhnt sind. Nein, es waren am Ende über drei Stunden. Im Zug konnte sich Nathalie endlich hinlegen. Sie wurde nämlich von einer Migräne geqäult. Als wäre das nicht genug, bekam auch Lukas Kopfschmerzen und der Essensverkäufer liess auch auf sich warten. Erst nach etwa fünf Stunden Zugfahrt konnten wir auf dem Bahnsteig endlich einige Samosas und Wasser kaufen. Nach weiteren zwei Stunden kamen wir ausgehungert und beide mit starken Kopfschmerzen in Udaipur an. Lukas ging noch vor dem Abendessen ins Bett und ich genossen den Sonnenuntergang und den Blick aus unserem Fenster vom Zimmer. Auch solche Tage gehören zum Reiseleben dazu. Sie sind anstrengend, aber es lohnt sich immer wieder, da wir es einfach lieben, neue Orte zu erkunden. Und bereits der Blick aus dem Zimmerfenster war ein erster Lohn für dieses Reiseerlebnis.

Udaipur

Udaipur wird auch "Stadt der Seen" genannt und das natürlich nicht ohne Grund. Die Stadt ist von vielen kleinen Seen umgeben, was dem Ort eine ganz spezielle Note verleiht. Wir haben uns vom ersten Moment an wohlgefühlt und es kam sogar ein bisschen Urlaubsgefühl auf. Da wir auch hier unsere Weiterreise bereits gebucht hatten, wussten wir, dass wir zwei volle Tage in der Stadt verbringen würden. Am ersten Tag erkundeten wir die Altstadt und schauten uns den Palast an. Da wir in Udaipur von anderen Traveler (übrigens die ersten Schweizer, die wir in Indien trafen) erfahren hatten, dass im Palast ein mit Touristen komplett überlaufenes Museum sei, entschieden wir uns, den Palast nur von aussen anzuschauen. Danach machten wir eine Bootsfahrt auf eine der kleinen Inseln auf dem Lake Pichola. Wir genossen die Ruhe, welche hier ausserhalb der Stadt herrscht. Am zweiten Tag mieteten wir wieder einmal einen Roller, mit dem wir die Umgebung der Stadt erkundeten. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer und sahen so, wie stark sich das Dorfleben vom Stadtleben unterscheidet. Wir erkannten auch hier wieder einige Parallelen zu Kenia und Uganda und fühlten uns etwa gleich exotisch, wie in diesen afrikanischen Ländern. Oft schauten uns die Locals nach, Kinder winkten uns zu und man merkte, dass nicht täglich weisse Touristen diese Strassen entlangfuhren. Wir genossen es sehr, abseits der ausgetretenen Touristenpfaden unterwegs zu sein. Beim Badi Lake machten wir einen Halt und liefen zu einem Aussichtspunkt. Nicht ohne Grund ist er im Google Maps als “The wedding clickers” eingetragen. Beim Aussichtspunkt blinzelten unzählige indische Paare in die Linsen der Kameras und Drohnen. Allesamt natürlich in wunderschönen Kleider eingehüllt und erstmals wurden wir in unseren Travelerklamotten nicht gefragt, ob wir mit ihnen auf Bild kommen könnten.

Udaipur war unsere letzte Stadt, welche wir in Indien erkundeten. Unser Abenteuer in Rajasthan ging zwar noch etwas weiter, es ging aber wieder hinaus in die Natur.