Pferderennen

Reitsafari in Rajastan

In Rajasthan wird die Pferderasse Marwari gezüchtet. In Jaipur entdeckten wir diese Pferde das erste Mal und Lukas begann zu recherchieren, ob man in Rajastahn als Tourist reiten gehen kann. Das Resultat seiner Suche war, dass wir eine mehrtägige Reitsafari mit anschliessendem Aufenthalt auf einer Pferdefarm machten.

Unser diesjähriges Weihnachtsgeschenk

Für Lukas war es nicht das erste Weihnachtsfest, welches er im Ausland verbrachte. Für Nathalie aber schon. Egal, wie oft man dieses Fest schon im Ausland gefeiert hat, es sind und bleiben einfach spezielle Tage. Deswegen war es uns wichtig, an diesen Tagen auch etwas ganz Spezielles zu unternehmen. Deshalb gönnten wir uns eine mehrtägige Reitsafari. 

Reitfestival in Ranakpur

Einige Tage vor Weihnachten wurden wir von einem Driver in Udaipur abgeholt und fuhren mit ihm nach Ranakpur. Dort findet einmal im Jahr ein grosses Pferdefestival statt, wo die schönsten Marwari Pferde dem Publikum präsentiert werden. Diese Pferderasse wurde früher als Kriegspferde gezüchtet. Heute dienen sie als Reit- und Showpferde. Die Rasse ist leicht an ihren Sichelohren zu erkennen. Am Pferdefestival wurden Kunststücke vorgeführt und es gabt unterschiedliche Wettkämpfe. Da unser Safariveranstalter auch der Hauptverantwortliche für das Festival war, wurden wir dazu eingeladen. Das Festival erlebten wir genauso, wie wir es uns bereits im Vorfeld vorgestellt hatten - ziemlich chaotisch und laut. Nach unserer Ankunft wurde kurzerhand entschieden, dass wir bei der Eröffnungsparade mitreiten sollen. Dies war zum Glück nicht besonders anspruchsvoll und am Ende war es nicht nur für uns, sondern auch für die Zuschauenden und die anderen Mitreitenden ein ziemliches Highlight. Kurze Zeit später wurden wir sowie eine Französin als Jury für die Bewertung der tanzenden Pferde gewählt. Für uns war es nicht einfach, die Darbietungen der Pferde zu bewerten, da für uns diese Kunstform ganz neu war. Dennoch gaben wir unsere Bewertungen ab und so ergab sich am Ende einen ziemlich klaren Sieger. Vor allem während der Show der tanzenden Pferde sahen wir, dass der Umgang mit den Pferden oft eher rau ist. Sie werden immer wieder in unnatürliche Haltungen gezwungen und nicht selten erleiden sie wohl bei dem Training sowie bei den Shows Schmerzen. 

Bevor das Festival zu Ende war, gab es noch zwei Wettreiten. Dabei mussten die Reiter über das gesamte Feld galoppieren, einen Sandsack vom Boden hoch auf das Pferd nehmen und dann zurückreiten. Diese Rennen zu beobachten, war sehr beeindruckend. Uns wurde bewusst, wie schnell die Pferde galoppieren können und es kam sogar zu einem spektakulären Sturz. Zum Glück hatte sich am Ende des Tages niemand verletzt und wir fuhren kurz vor Sonnenuntergang zu unserer ersten Unterkunft. Diese Nacht durften wir in einer kleinen Burg verbringen. Für einmal fühlten wir uns ein wenig wie König und Königin. 

Reitsafari

Am nächsten Tag ging unsere Reitsafari endlich los. Am Morgen wurden im Innenhof der Burg die Pferde an uns Reitenden verteilt. Lukas und ich wurden von zwei Guides begleitet. Zudem ritt ein anderer Gast aus Indien mit der Gruppe mit. Interessant dabei war, dass dieser andere Gast, wir nannten ihn ironischerweise immer “der Tourist”, eigentlich gar nicht reiten konnte. Die Begegnung mit diesem Gast stellte sich für uns als herausfordernd und bereichernd zugleich heraus. Herausfordernd, weil er trotz mangelnder Reiterfahrung das Tempo sowie die Route während fast der gesamten Zeit bestimmte. Bereichernd, weil wir zum einen durch ihn mit der Religion Jainismus in Berührung kamen und zum anderen erkannten wir, wie das indische System funktioniert. “Der Tourist” gehört zu den reichsten 5% der indischen Bevölkerung und wir merkten schnell, dass er sich nicht von jedem etwas sagen liess. So kam es auch, dass er das Tempo und die Route bestimmte, sobald der Besitzter der Pferdefarm nicht mehr mit uns dabei war. Er liess sich von den Angestellten der Farm wohl nichts sagen. Und vielleicht versuchten sie es auch gar nicht. So gut waren unsere Hindikenntnisse dann doch wieder nicht, dass wir ihre Gespräche verstanden. Für uns war also die Reitsafari auch kulturell eine sehr spannende Zeit. 

Am ersten Tag ritten wir auf die Pferdefarm von Horse India. Der Ritt ging über viele Feldwege durch die Natur sowie durch einige Dörfer. In den Dörfern kamen oft Kinder wie auch Erwachsene auf die Strasse, um uns zu winken. Bei Schulen kamen teilweise ganze Klassen vors Schulhaus, um uns zu begrüssen. Nach einem sechsstündigen Ritt und einer langen Mittagspause an einem kleinen See kamen wir auf der Farm an. Wir waren beide ziemlich erledigt von diesem Tag, Nathalie etwas mehr als Lukas. Dennoch genossen wir das Abendessen am Lagerfeuer. Der Besitzer der Farm erzählte uns viel über die Farm, seine Pferde und die Pferderasse. Am nächsten Tag war Heiligabend. Es war ein spezielles Gefühl, an diesem Tag so weit weg von zu Hause aufzuwachen und zu wissen, dass man den Tag nicht mit der Familie verbringen wird. Uns blieb aber gar nicht viel Zeit, um sentimental zu werden. Wir ritten an diesem Tag fünf Stunden zu einem kleinen Dorf, wo wir eine schöne Unterkunft gebucht hatten. Am ersten Tag ritten wir oft im Schritt oder im Trab. Am zweiten Tag galoppierten wir dann endlich. Das hat uns so richtig viel Spass gemacht. Das Mittagessen genossen wir am zweiten Tag auf einer Anhöhe mit wunderbarem Weitblick über die Landschaften Rajasthans. Im Hotel angekommen, liessen wir aus unserem Böxli Weihnachtsmusik klingen und machten uns hübsch für das Abendessen. “Der Tourist” und seine Frau leisteten uns nach dem Abendessen noch etwas Gesellschaft und wir liessen den Abend bei interessanten Gesprächen ausklingen. Um neun Uhr gingen wir komplett erschöpft zu Bett. Am dritten Tag ritten wir zu einem Jain-Tempel. Der Ritt war an diesem Tag besonders frustrierend. Da wir die Route bekanntlich nicht mitbestimmen konnten, ritten wir oft über asphaltierte Strassen. Nach drei Stunden erreichten wir den Tempel. Im Tempel wurden wir zu einem sehr leckeren Mittagessen eingeladen. Es gab ungefähr sechs verschiedene Gerichte und wir konnten von allem probieren. Natürlich liessen wir am Ende eine Spende da, damit die Tempelangestellten wieder Nahrung für Bedürftige kaufen konnten. Nach dem Mittagessen hiess es Abschied nehmen vom “Tourist” und seiner Frau. Sein persönlicher Fahrer chauffierte uns zurück zur Pferdefarm, wo wir den Nachmittag und Abend rund um die Pferde genossen. 

Jainismus

In Ranakpur besuchten wir den wunderschönen Jain-Tempel. Er gehört wohl zu einem der schönsten Tempelanlagen, die wir je besucht haben. Dadurch, dass der dritte Reitsafariteilnehmer ein Anhänger des Jainismus war, kamen wir mit dieser Religion in Berührung. Wir gingen auf unserem Ritt in mehreren Dörfern Tempelanlagen besuchen und erfuhren in Gesprächen sehr vieles über diese Zwillingsreligion des Buddhismus. Wir lernten zum Beispiel, dass Jains an die Wiedergeburt sowie an das Karma glauben. Für sie haben nicht nur Menschen, sondern alle Lebewesen sowie Pflanzen eine Seele und sie essen weder Fleisch noch Eier noch Pflanzen, die im Boden wachsen. 

Was uns besonders beeindruckt hat, sind die ethischen Prinzipien, nach denen Jains leben. Sie verzichten beispielsweise auf jegliche Art von Gewalt. Was auch erklärt, warum sie sich vegetarisch ernähren. Gier, Angst, Neid, Zorn etc. sollen überwunden werden, damit man immer die Wahrheit äussern kann. Sollte die Wahrheit jemanden verletzen oder Zort auslösen, dann sollte man besser schweigen. Da grosser Wohlstand und Besitz solch negative Emotionen wie Gier, Neid, Hass, Selbstsucht schüren, ist es auch das Ziel, nicht zu viel zu besitzen. Besitzt man viel, versucht man seinen Besitz an andere weiterzugeben. Jains dürfen nicht stehlen und falls sie bedürftig sind, dürfen sie nur so viel nehmen, wie sie wirklich brauchen. 

Auf der Pferdefarm

Eigentlich wollten wir nach der Ankunft auf der Farm noch einen kleinen Ausritt machen. Dieser fiel aber irgendwie ins Wasser. Stattdessen machten wir aber mit einem Angestellten der Farm einen Spaziergang ins nahegelegene Dorf. Wir wurden bei einer Freundin von ihm zum Chai eingeladen. Es war ein schöner Besuch bei der Familie. Wir durften einmal mehr sehen, wie die Locals leben, wie sie kochen und wie sie ihre Häuser eingerichtet hatten. Zudem erzählte uns die junge Frau, dass sie bald heiraten werde. Daraus entstand dann eine spannende Diskussion über Liebeshochzeiten und arrangierte Hochzeiten. In Indien sind die arrangierten Hochzeiten immer noch weitverbreitet. Zudem ist auch Tradition, dass die Frau zu der Familie des Mannes zieht. Nach dem Chai ging unser Spaziergang weiter und wir machten bei einem Ziegenhirten Halt. Dort durften wir die Ziegen anschauen. Besonders niedlich waren die jungen Ziegen, die er uns zeigte. An unserem letzten Tag auf der Farm machten wir noch einmal einen schönen Ausritt. Es ging noch einmal durch Dörfer und über Felder. Wir durften noch einmal so richtig Gas geben und die Pferde geniessen. Es war ein wunderbarer Ritt, da wir alleine mit einem Guide unterwegs waren. Somit durften wir viel mitbestimmen. Wir genossen aber auch die Ruhe auf der Farm, liefen viel auf dem Hof herum und streichelten vor allem die Fohlen. Eins der Fohlen war besonders verschmust und mit ihm verbrachten wir viel Zeit. 

Bye bye India

Am 27. Dezember heiss es dann Abschied nehmen. Abschied von der Pferdefarm, aber auch Abschied von Indien. Mit dem Zug ging unsere Reise zurück nach Jaipur, wo wir noch einen mehrstündigen Aufenthalt in der Stadt hatten. Diese Zeit nutzten wir, um ein defektes Ladegerät reparieren zu lassen und unsere indischen Lieblingsgerichte, das Raj Kachori und das Chole Bhature, noch einmal zu essen. 

Nach sechseinhalb Wochen verliessen wir dieses wunderbare, berührende, bereichernde und intensive Reiseland. Wir hatten unglaublich viele schöne Begegnungen mit den herzlichen Menschen hier in Indien. Wir werden das fantastische Essen vermissen und vermutlich finden wir es im nächsten Land auf den Strassen viel zu ruhig, da nicht so exzessiv gehupt wird, wie hier. Für uns war, als wir in den Flieger stiegen, klar, dass wir nicht das letzte Mal in Indien gewesen sind. Es gibt viel zu viel Tolles, das wir in diesem Land noch erkunden möchten. Wir freuen uns also schon auf den nächsten Besuch in Indien.